Paarsein – wenn einer krank ist oder krank wird

Manche Beziehungen beginnen in dem Bewusstsein, dass einer krank ist. Körperlich krank. Psychisch krank. Andere Beziehungen entwickeln sich und auf einmal wird einer krank. Körperlich krank. Psychisch krank.

Sind beide gesund…

Sind beide gesund geht es in der Paartherapie vielleicht um sich zuspitzende Kommunikationsmuster, um die Verteilung der anfallenden Aufgaben im Haushalt, um emotionale Nähe und Distanz, um Autonomie, Sexualität etc. Alles ist besprechbar, manchmal auch erlebbar. Beide sind so gesund, dass sie verstehen können, was der jeweils andere macht. Warum er es macht. Sie können sich selbst und damit ihre Beziehung verändern. Sie sind bereit sich selbst und damit ihre Beziehung zu ändern. Jeder für sich. Jede für sich. Es gibt auch die Paare, bei denen jeder vom anderen erwartet, dass er oder sie den ersten Schritt geht. Es gibt auch Paare, da will niemand den ersten Schritt tun. Stellungskrieg. Wer zuerst zuckt hat verloren.

Paardynamiken sind wie ein Tanz: sehr unterschiedlich, manches tanzt sich leicht, anderes gar nicht. Wenn beide gesund sind und bereit an sich zu arbeiten, wenn es fließt zwischen Wertschätzung und Freiraum, dann kann Paartherapie ein wunderschöner Prozess sein. Wenn es stockt, man aus dem Takt gekommen ist, beginnt die Arbeit mit der Auflösung des Stellungskrieges.

Ist einer krank, ist eine krank…

Ist eine krank. Ist einer krank. Wird eine krank. Wird einer krank. Sind die Auswirkungen vielfältig. Sie hängen von der Art der Erkrankung ab, von den damit einhergehenden Einschränkungen und auch Symptomen. Sie hängen von den Krankheitserfahrungen des Partners oder der Partnerin ab. Sie hängen davon ab, welche Auswirkungen eine körperliche Erkrankung hat. Sie hängen von der Frage ab, ob wenn die Psyche leidet, es sich um Depression, Sucht, Narzissmus, Abhängigkeit, Minderwertigkeitskomplexe etc. handelt. Ist einer krank, ist eine krank, wird es komplizierter. Ist der Krankheitsverlauf schleichend daher gekommen, keiner hat ihn bemerkt und auf einmal wird auf dem paartherapeutischen Sofa klar „Das ist eine Depression!“ geht es darum nicht nur paartherapeutisch zu behandeln. Wenn jemand einen offenen Bruch hat und blutend vor uns steht, behandeln wir auch nicht die Partnerin oder den Partner mit. Wir leisten erste Hilfe, rufen den Notarzt, fahren ihn oder sie ins Krankenhaus.

Wenn einer krank wird oder krank ist, braucht es zunächst Hilfe für den, der krank ist. Erste Hilfe. Stabilisierende Hilfe. Und dann, ja dann, braucht es auch Hilfe für den, der zuschauen muss, der ohnmächtig ist, der nicht weiß, wie er oder sie sich verhalten soll. Ob das dann im einzel- oder paartherapeutischen Rahmen passiert, dass ist dann die nächste Frage. Das nächste Kapitel. Aber es macht einen Unterschied, ob beide gesund sind oder einer oder eine krank ist.

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