One-Click

Sie haben uns abhängig gemacht. Und sie haben es so gewollt. One-Click. Die schnelle Bedürfnisbefriedigung, alles nur einen Klick entfernt. Wenn man sich Zufriedenheit kaufen könnte, wäre One-Click die Lösung. Ja, wenn…

Als App haben wir die schnelle Lösung immer dabei. Ein Geschenk für die Oma? One-Click. Ein Mitbringsel für das Gartenfest? One-Click. Mal schauen, wie die Winterschuhe aussehen? One-Click. Dann steht ein paar Tage, ne ein paar Stunden, im besten Fall sogar noch am selben Tag der Postbote vor der Tür und erfüllt uns unseren Wunsch. One-Click auf den Merkzettel. One-Click auf die Wunschliste. One-Click. One-Click. One-Click.

Was Unternehmen da machen ist eine sehr gute Strategie. Für die Unternehmen. Sie nutzen unsere Sofort-Wunschbefriedigungs-Gene und erzeugen dadurch für sich selbst Umsatz. Diese Unternehmen beschäftigen Psycholog*innen um herauszufinden, wie sie die One-Clicks steigern können. Wie sie noch mehr Umsatz machen können. Wie sie unsere Gehirne manipulieren können, um unser Denken auszuschalten. One-Click bringt einen auf Droge. One-Click bringt einen auf Dopamin. Größer, schneller, weiter, mehr. Das ist das Ziel meiner irreführenden Kolleg*innen aus dem Silicon Valley. Das Ziel ist nicht eine bessere Welt, das Ziel ist es uns und unser Wunschbefriedigungssystem zu infiltieren und zu manipulieren. Und was passiert, wenn man es absetzt? Wenn man die App löscht, wenn man One-Click versucht aus seinem Leben zu verbannen? Man merkt, dass sie es schon sehr weit geschafft haben in unsere Gehirne.

Glücklicher macht es uns nicht. Zufriedener macht es uns nicht. One-Click macht, dass wir Dinge konsumieren, die wir vielleicht bei genauerer Betrachtung nie konsumiert hätten. Statt es old-school auf einen Notizzettel zu schreiben, wird sofort die App geöffnet und bestellt. Das ist sehr praktisch, wenn man wenig Zeit, viele Kinder, einen herausfordernden Beruf und viel Geld hat oder wenn man sich einfach manipulieren lassen will von der One-Click-Mafia. Man muss nicht zweimal an den Tesa-Film denken, der verbastelt wurde. One-Click. One-Click hemmt unser Nachdenken. Unser Bewusstsein. Unsere Nachhaltigkeit. Es wird uns suggeriert, dass alles sofort und andauernd und grundsätzlich immer verfügbar ist. Als wäre die Welt ein unendlicher Ressourcenshop. Unsere Welt ist kein unendlicher Ressourcenshop. Für jedes One-Click werfen wir eine enorme Lieferkette an, eine enorme Ressourcenverschwendung. Statt One-Click kann man:

  1. Anfangen eine echte Wunschliste oder Einkaufsliste zu schreiben.
  2. Sich überlegen, ob man das jetzt wirklich sofort braucht.
  3. Sich fragen, ob man es nicht vielleicht doch schon zu Hause hat.
  4. Etwas Altes reparieren oder auch etwas aufbrauchen.
  5. Es vielleicht bei Freund*innen ausleihen.
  6. Es vielleicht Second-hand bekommen.
  7. Sich die Endlichkeit der Ressourcen dieser Erde vorstellen.
  8. Sich überlegen, wie und wo das Billigprodukt wohl hergestellt wurde.
  9. Bewusst entscheiden, worein man seine Euros investieren will.
  10. Sich gegen die psychische Manipulation und Irreführung wehren.

One-Click wurde nicht von Weltverbesserern erfunden. One-Click wurde erfunden um uns vorzugaukeln, dass der schnelle Kauf die Lösung unserer Probleme ist. Ist er nicht. Glück, Zufriedenheit, Sinn kann man sich nicht mit One-Click bestellen. Die gibt es nur auf dem langen Weg. Dem Weg mit Bewusstsein für unsere Umwelt und unseren Planeten. Und jetzt lösch die App und mach Dir eine Liste.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s