Warum Entrümeln entstresst

Als ich ins Badische zog, lernte ich ein neues Wort „Kruscht“. Kruscht bedeutet auf badisch – und wohl auch auf schwäbisch – „Gerümpel“, „Krimskrams“, „Gelump“ oder wie man bei mir zu Hause im Ruhrpott sagt „Gedöns“ wahlweise auch „Jedöns“.

Von Netflix über YouTube bis Instagram: auf allen Kanälen wird gerade entrümpelt, aufgeräumt, gespendet, verkauft, gefaltet, entmüllt. Man schaut den Menschen, die das machen zu und fragt sich (still und heimlich) würde das bei mir auch solche Effekte zeigen.

Die wissenschaftliche Antwort lautet: Es kommt drauf an. Die Psychologie hat mittlerweile einige Studien zum Thema „Gerümpel“ zu bieten, sie nennt sie allerdings nicht „Kruscht“-Forschung, sondern „decluttering“. Gerümpel ist dabei definiert als „ein Zuviel an Besitztümern, die zusammen ein chaotisches und unordentliches Zuhause“ generieren (Ferrari, 2019). Die schiere Anzahl von Gerümpel hat auch etwas mit der sogenannten „Aufschieberitis“ zu tun: Prokrastination. Kein Wunder, je länger man braucht um das zu finden, was man eigentlich sucht, desto weniger Lust hat man überhaupt mit dem Suchen anzufangen.

Ob der Kruscht nun die Lebenszufriedenheit senkt oder nicht hängt dabei mit der Bewertung des „Kruschts“ zusammen. Menschen, die ihr chaotischer Besitz belastet, sind auch unglücklicher mit ihrem Leben, vor allem dann wenn sie an ihre ungeordneten Besitztümer denken. Von diesem Effekt sind vor allem Frauen betroffen. Frauen, die vom häuslichen Chaos gestresst sind, empfinden natürlich auch mehr Stress deswegen, was sich sogar auf Hormonebene (erhöhte Cortisollevel im Speichel) nachweisen lässt. Erklären lässt sich das vor allem durch die gute alte Hausfrauen-Tradition. Wer ist für das schöne Zuhause zuständig? Die Frau. Bei den Frauen, bei denen dieser Gedanke ankommt, steigt der Stress. „Decluttering“ senkt demnach bei genau diesen Menschen den Cortisolspiegel. Man kann jetzt lamentieren, wieso das immer noch mehr Frauen als Männer betrifft usw. usw. oder man kann bei sich selbst hinhorchen – egal ob Männlein oder Weiblein – wie groß der vermutete Stress wohl ist.

So oder so: Wenn Sie Ihre Besitztümer nicht belasten, lassen Sie einfach alles so, wie es ist.

1 Kommentar

  1. Ich bin immer viel zu faul zum Aufäumen. Und wenn ich doch mal Besuch habe, dann stresst es mich, weil ich das Gefühl habe in meine Räuberhöhle kann ich die doch nicht so lassen. Dennoch komme ich gern unter Menschen, weil mir Austausch wichtig ist, da es meine Entwicklung fördert. Zudem komme ich im Dialog zu tiefer gehenden Erkenntnissen oder zu sonst untypisch erfrischend Denkmustern.

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